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GesellschaftKolumbien

Kinder in Kolumbien aus Dschungel gerettet

10. Juni 2023

Happy End nach wochenlanger Suche im kolumbianischen Dschungel: Vier nach einem Flugzeugabsturz im Regenwald vermisste Kinder sind - 40 Tage nach ihrem Verschwinden - lebend gefunden worden.

Kolumbien | Rettung vermisster Kinder nach Flugzeugabsturz
An der Rettungsaktion für die Kinder waren 160 Soldaten und 70 Indigene beteiligtBild: JUAN BARRETO/AFP/Getty Images

Ihre Mutter war bei dem Absturz ums Leben gekommen. Das Überleben der vier indigenen Kinder führte ihre Großmutter vor allem auf die kämpferische Natur des ältesten Mädchens Lesly zurück, das sich bereits zuvor um seine Geschwister gekümmert habe. "Eine Freude für das ganze Land!", schrieb der kolumbianische Präsident Gustavo Petro. Er fügte hinzu: "Heute war ein magischer Tag, der uns ganz ohne Zweifel mit Freude erfüllt". Er sei beeindruckt von der Leistung und der Willenskraft der Kinder. "Sie waren allein, sie haben es aus eigener Kraft geschafft."

Die 13-jährige Lesly, der neunjährige Soleiny, der vierjährige Tien Noriel und die kleine Cristin, die im Dschungel ein Jahr alt wurde, wurden etwa fünf Kilometer westlich der Absturzstelle gefunden. Ein Armeehubschrauber flog sie in die kolumbianische Hauptstadt Bogotá, wo sie ins Krankenhaus gebracht wurden. Die Kinder gehören zum indigenen Volk der Huitoto, oft auch Witoto genannt.

Schlangen, Jaguare und Drogenbanden

Huitoto-Kindern sei der Dschungel vertraut, hatte der Großvater der vier Überlebenden, Fidencio Valencia, gesagt. Sie lernten früh jagen, fischen und das Sammeln von essbaren Pflanzen. In dem Gebiet des Absturzes leben allerdings auch Schlangen, Jaguare, Pumas und andere Raubtiere. Außerdem sind dort bewaffnete Drogenbanden aktiv.

Am 1. Mai war das Kleinflugzeug vom Typ Cessna 206 im Amazonas-Regenwald im Süden Kolumbiens abgestürzt. Am 15. und 16. Mai wurden bei dem Wrack die Leichen der drei Erwachsenen an Bord gefunden. Es handelte sich um den Piloten, einen indigenen Anführer und die Mutter der vier vermissten Kinder, Magdalena Mucutui Valencia. Die Kinder aber waren verschwunden.

Im Krankenhaus wird jetzt der Gesundheitszustand der Kinder überprüftBild: John Vizcaino/AP Photo/picture alliance

Nach ihrer Rettung ist die restliche Familie wieder vereint. "Ich habe sie besucht. Sie sind sehr erschöpft, die Armen", sagte Großvater Valencia der Zeitung "El Tiempo", nachdem er seine Enkel im Militärhospital besucht hatte. "Sie schlafen. Sie sind unterernährt. Sie sind dünn, sehr dünn."

Eine "Kriegerin"

Großmutter Fátima Valencia nannte die 13-jährige Lesly eine "Kriegerin", die das Überleben der Kinder im Dschungel gesichert habe. "Wir haben uns nie entmutigen lassen", versicherte die Großmutter. Sie hoffe nun, das Sorgerecht für die Kinder zu erhalten und sie aufzuziehen. "Es wird mein Stolz sein. Meine Tochter [die bei dem Unfall getötet wurde] beobachtet mich, sie wird mich geistig ermutigen und mir Kraft geben."

Auch die kolumbianische Sängerin Shakira meldete sich erleichtert zu Wort. Das Leiden der Kinder und ihr Überleben "haben uns alle erschüttert und uns das beste Beispiel für Einigkeit und Widerstandsfähigkeit gegeben", twitterte die 46-Jährige. "Aus tiefstem Herzen danken wir all jenen, die die Suche nach ihnen und ihre Rettung möglich gemacht haben."  

160 Soldaten und 70 Indigene, darunter auch der Vater der vier Kinder, hatten nach den Vermissten gesucht. Die Armee setzte unter anderem Spürhunde, Hubschrauber und Satellitenbilder ein. Die Einsatzkräfte verloren dabei nie die Hoffnung, denn sie fanden eine Babyflasche, eine Schere, Schuhe, Windeln, zerkaute Früchte, Fußabdrücke und Notunterkünfte, die darauf schließen ließen, dass mindestens ein Kind noch lebte. 

rb/haz/se/ack (afp, dpa, rtr)